Gastbeitrag des WDC

Kleiner Wal in großer Not – gemeinsam für den Schweinswalschutz

Autor: Fabian Ritter

Drei Personen halten jeweils drei unterschiedliche Gegenstände. Die Frau links hält ein kleines Modell eines Schweinswals der in einem Netz gefangen ist, die mittig Frau hält ein Schild mit der Petition, der rechts stehende Mann hält ein größeres Modell eines Schweinswals der sich in einem Netz verfangen hat. Sie stehen vor dem Bundesministerium in Berlin.

Passt dazu:

Sie wussten bislang kaum etwas über Schweinswale? Dann tauchen Sie mit mir in ihre Welt ein – vor Dänemark gelang es uns, die kleinen, scheuen Wale per Drohne zu filmen. Dabei konnte sogar ich als Meeresbiologe einige neue Einblicke in das Leben der Schweinswale erhalten. 

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Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns bei WDC mit dem Thema Beifang, haben uns oft an der politischen Lage abgearbeitet, und manches Mal haben wir uns gefragt, welche Erfolge wir eigentlich zu verzeichnen haben.

Denn weiterhin kommt der Schweinswal, die einzige bei uns in Deutschland lebende und streng geschützte Walart, jedes Jahr zu Hunderten in der Ost- und Nordsee ums Leben. Haupttodesursache: Fischernetze.

Durch die Fischerei in Europa getötete Tiere: viele Tausende. Der Skandal: Sogar in Schutzgebieten sind Stellnetze noch erlaubt – also gerade dort, wo die Tiere besonders vor Bedrohungen bewahrt sein sollten. 

In der zentralen Ostsee ist der Schweinswal akut vom Aussterben bedroht, denn dort leben nur noch etwa 500 Individuen. Wenn wir nicht schnell handeln, ist es zu spät und wir könnten diese einzigartige Population für immer verlieren. Deshalb startete WDC im November 2020 die Kampagne „Rettet die Schweinswale – Stellnetze raus aus Schutzgebieten!“ 

Wir freuen uns sehr, dass die Bees & Trees Stiftung unser Anliegen fördert und uns dadurch tatkräftig unterstützt, Druck auf die Bundesregierung auszuüben, die in den letzten Jahrzehnten beim Meeresschutz nicht viel erreicht hat und damit für die massive Gefährdung des Schweinswals mitverantwortlich ist.

Wir brauchen dringend Meeresschutzgebiete, die nicht nur auf dem Papier existieren, sondern ihren Namen auch wirklich verdienen. 115 Wissenschaftler*innen, darunter 76 Expert*innen aus Europa, unterzeichneten unseren Brief an Frau Klöckner und schließen sich damit unserer Forderung an, Stellnetze in deutschen Meeresschutzgebieten dauerhaft zu verbieten. 

Mit einer Petition, initiiert durch Meeresschutzaktivist Maximilian Gabriel, WDC und der Deutschen Umwelthilfe, fordern wir von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine sofortige Verbannung von Stellnetzen aus Schutzgebieten. Unser Ziel: 100.000 Unterschriften, die wir noch vor der Bundestagswahl 2021 an die Ministerin übergeben wollen. 

Zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe organisierten wir im Juni 2020 ein Online-Seminar für Parlamentarier*innen und Vertreter*innen der zuständigen Ministerien (Landwirtschaft und Umwelt) sowie Vertreter*innen der EU-Kommission. Durch die Beiträge von Professor Boris Worm von der Dalhousie University und Dr. Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum gelang es, den Entscheidungsträger*innen die Dringlichkeit des Meeresschutzes vor Augen zu führen – denn das Verschwinden der Schweinswale kann unabsehbare Folgen für das marine Ökosystem haben. 

Zwei Personen halten das Petitionsschild bezüglich der Forderung: Stellnetze raus aus Meeresschutzgebieten. Sie stehen vor einer blauen Wand des Bundesministeriums. Es handelt sich um die Petitionsübergabe.

Es sieht so aus, als würde unsere gezielte und beharrliche Arbeit für den Schutz der Meere und der Schweinswale in Deutschland nach über 20 Jahren endlich Früchte tragen: Mittlerweile ist richtig Bewegung auf der politischen Ebene und es scheint, als würde die EU in Kürze entscheiden, dass zumindest aus einigen Schutzgebieten in Schweden, Polen und Deutschland – Stellnetze (zeitweise) verbannt werden. Für die Arbeit von WDC und Partner-NGOs wäre dies ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn zum ersten Mal überhaupt wäre somit ein Stellnetzverbot in der EU ausgesprochen. Nach jahrelangem Stillstand in Sachen Schweinswalschutz hätten wir also greifbare Maßnahmen vor uns, denen sich auch die einflussreiche Fischerei-Lobby beugen müsste. Es käme einer Wende gleich.

WDC kann dies auch deshalb als Erfolg für sich verbuchen, weil wir im Jahr 2019 federführend waren, solche Maßnahmen konkret bei der EU-Kommission einzufordern.
Nichts desto trotz bleibt weiterhin viel zu tun: Denn um den Schweinswal der zentralen Ostsee wirklich retten zu können, ist ein dauerhaftes Stellnetzverbot in allen Meeresschutzgebieten nötig. Darüber hinaus müssen auch Regulierungen außerhalb von Schutzgebieten wirksam werden. Die Arbeit von WDC ist also noch längst nicht zu Ende! 

Wir danken der Bees & Trees Stiftung für die großzügige Förderung unserer Kampagne und hoffen, so gemeinsam die Ostsee-Schweinswale vor dem Aussterben bewahren zu können.

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Nahaufnahme eines kleinen Schmetterlings, der auf einer größeren lila Blüte sitzt.

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