Hummeln in Gefahr

Eine stark vergrößerte tote Biene liegt auf dem Rücken, auf sandigem Boden.

Passt dazu:

 

Beim Stichwort ‚Bienensterben‘ denken die meisten an unsere Honigbiene. Honigbienen sind aber bei uns keine Wildbienen; in Europa leben sie eigentlich nur unter der Obhut von Imker*innen – und sie sind auch nicht in ihrem Bestand bedroht.

Weniger bekannt sind unsere Wildbienen: allein bei uns in Deutschland gibt es über 560 Arten. Die meisten Wildbienen leben (und sterben!) im Verborgenen – sie kommen oft nur wenige Wochen im Jahr vor, leben zum Großteil solitär, also allein, und viele Arten sind, selbst für Insekten, sehr klein – manche Arten sind nur wenige Millimeter groß. Alle Wildbienen stehen in Deutschland unter Naturschutz. Viele Arten sind im Rückgang begriffen oder sogar stark in ihrem Bestand bedroht. Dabei spielen sie in unseren Ökosystemen und in der Landwirtschaft eine entscheidende Rolle. Unsere Wildbienen verschwinden und ihnen muss unsere besondere Aufmerksamkeit gelten!

Hummeln sind wohl die bekanntesten Vertreterinnen der Wildbienen. Gut die Hälfte der in Deutschland vorkommenden 36 Hummelarten gilt als im Bestand gefährdet, 16 Arten stehen auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.

Die Krefelder Studie

Diese nüchternen Zahlen mögen vielleicht erstmal nicht erschrecken – die roten Listen werden länger und wir haben uns an den Gedanken gewöhnt, dass viele Tierarten seltener werden. Trotzdem sorgte im Jahr 2017 eine Studie für Furore:

Der Entomologische Verein Krefeld veröffentlichte in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten die Ergebnisse einer Langzeitstudie aus über 60 Gebieten in Deutschland.
Die Daten zeigten deutlich: die Zahl der Fluginsekten in Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren im Mittel um 67 % zurück gegangen. Die New York Times titelte kurz darauf: ‘The Insect Apocalypse is here’ und das Insektensterben war im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen. Zahlreiche weitere Studien haben diesen Trend in der Zwischenzeit bestätigt, und z.B. auch für Vögel gut dokumentiert. Wir erleben ohne Frage einen dramatischen und umfassenden Rückgang an Biodiversität.

Was wissen wir über die Ursachen?

Die Stiftung Bees & Trees fördert deswegen eine wissenschaftliche Studie, die genau diese Wissenslücke schließt und Erkenntnisse über die Pestizidbelastung unserer Hummeln liefert. Neben der Landwirtschaft, die keinen Lebensraum mehr für Wildbienen bietet, tragen auch die zunehmende Versiegelung der Landschaft, die Lichtverschmutzung und der Klimawandel mit Extremwettern zum Verschwinden der Hummeln bei.

Die unsichtbare Gefahr – Hummeln als 'Umweltsensoren'

Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Hier (und leider auch andernorts, wie z.B. in Privatgärten oder an Bahngleisen) ist ein immer weiter zunehmender Einsatz von Chemikalien wie z.B. Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden zu verzeichnen. Hummeln können, wie alle anderen Wildbienen auch, auf unterschiedlichste Arten mit diesen sogenannten Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen: etwa durch direktes Besprühen während ihrer Sammelflüge, oder auch durch die Aufnahme von Rückständen aus Nektar, Pollen oder Oberflächenwasser. Indem die Hummeln Nektar und Pollen in ihre Nester transportieren und dort einlagern, können chemische Belastungen dort angereichert werden, und schließlich kann so auch die gesamte Brut eines Nests den Pestiziden ausgesetzt sein.

Die Anzahl der Studien, die im Labor negative Effekte einzelner Substanzen auf unsere Wildbienen nachweisen, wächst stetig. Umstritten sind aber häufig die ‚Feld-realistischen‘ Konzentrationen der getesteten Mittel; es fehlen Daten zu der tatsächlichen Belastung unserer Wildbienen durch Pestizide. Mit welchen Chemikalien kommen Hummeln in Kontakt, in welchen Konzentrationen und Kombinationen liegen diese vor, wieviel reichern sie in ihren Nestern an und wie ändert sich diese Exposition für adulte Tiere sowie für die Brut, über eine Hummel-Saison hinweg?

Um diese Wissenslücke zu schließen, fördert die Bees & Trees Stiftung aktuell eine wissenschaftliche Studie der Universität Konstanz. Hier wurden im Jahr 2021 vierzig Hummelkolonien an verschiedenen Standorten ausgebracht und regelmäßig auf Nektar und Pollen beprobt. Die Proben werden zurzeit auf über 200 gängige Pestizide analysiert. Mit der in dieser Studie entwickelten Methodik können Hummeln zukünftig bundesweit als ‚Umweltspäher‘ zum Einsatz kommen; und die Ergebnisse dieser Studie werden wichtige Informationen für Wissenschaft, Umweltschutz und Politik liefern.

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Nahaufnahme eines kleinen Schmetterlings, der auf einer größeren lila Blüte sitzt.

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