Das kleine Hummel 1x1

Hummel-Steckbrief

Stark vergrößert sitzen Schmetterlinge, Bienen und Marienkäfer auf Lavendelblüten und anderen lila Blüten. Der Hintergrund ist verschwommen.

Passt dazu:

 

Hummeln sind die wohl bekanntesten unserer Wildbienen. Sie unterscheiden sich von den meisten Wildbienenarten darin, dass sie sozial sind. Sie leben also nicht allein (solitär), sondern in Gemeinschaft – im Hummelvolk.

Die Gattung der Hummeln (Bombus) gehört zur Familie der Echten Bienen (Apidae), die zur Ordnung der Hautflügler (Hymenopteren) gehören.

Wie bei allen Insekten besteht der Hummel-Körper aus drei Abschnitten: Kopf, Rumpf (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Neben zwei Antennen am Kopf (die ‚Nase‘ – mit der sie sehr gut riechen können), haben Hummeln zwei große Komplexaugen und drei Punktaugen auf der ‚Stirn‘. Zwei Paar häutige Flügel und drei Beinpaare setzen am Rumpf an. Der Hinterleib besteht bei Weibchen aus sechs, bei Männchen aus sieben Segmenten (Tergiten). Der Körper einer Hummel ist dicht behaart – mit der Lupe ist zu erkennen, dass die Haare gefiedert sind – eine Anpassung die bei allen Bienen zu finden ist und sie besonders zum Pollensammeln befähigt.

Hummeln sind relativ große und pummelige Bienen und meist bunt, mit gelben, orangenen oder roten Bänderungen oder einem farbigen Hinterleib. Aber aufgepasst: es gibt häufig Farbvariationen innerhalb einer Art – die Bestimmung der unterschiedlichen Arten ist also nicht immer einfach! 

Sie haben eine Zunge (Proboscis) zur Nahrungsaufnahme, um an den in den Blütenröhren verborgenen Nektar zu gelangen – je nach Art kann sie sehr unterschiedlich lang sein.

Hummeln haben auch einen Stachel und eine Giftblase – sie können also stechen. Der Stich ist ähnlich schmerzhaft wie ein Bienenstich. Im Gegensatz zu Honigbienen können Hummeln sogar mehrmals stechen, ihr Stachel hat keine Widerhaken und bleibt so, im Gegensatz zu einem Honigbienen-Stich, nicht in der menschlichen Haut stecken.

Aber Hummeln sind sehr friedfertig und stechen nur, wenn man sie massiv bedrängt – männliche Hummeln (Drohnen) haben keinen Stachel. Hummeln sind pummeliger und pelziger als Honigbienen und Wespen, die kleiner und schlanker sind. Bienen und Wespen sind nicht immer leicht zu unterscheiden, aber Wespen haben keine gefiederten Haare, da sie ihre Brut carnivor ernähren (Fleischfresser) und keinen Pollen sammeln.

Achtung: manche Schwebefliegen sind Hummeln auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Sie gehören aber zur Unterordnung der Fliegen (Brachycera), die zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera) gehören und, wie der Name sagt, nur ein Flügelpaar haben. Ein bekanntes Beispiel ist der Hummelschweber.

Lebenszyklus eines Hummelvolks

Ein Hummelvolk wird von einer einzelnen Hummel-Königin im Frühjahr gegründet. Sie hat den Winter allein an einem geschützten Ort verbracht. Nachdem sie einen geeigneten Nistplatz, z.B. ein verlassenes Mäusenest oder eine geschützte Stelle in dichter Vegetation, gefunden hat, sammelt sie Nektar und Pollen, die sie im Nest in selbstgebauten Vorratstöpfen einlagert. Diese bestehen aus Wachs.

Der Lebenszyklus einer Hummelkolonie von März bis Oktober in einem grünen Kreis dargestellt, in der Mitte befindet sich die Zeichnung einer Hummel. Für jeden Monat werden die Veränderungen in der Kolonie von ihrer Entstehen bis zu deren Sterben beschrieben.

Die ersten Eier (6-12 Eier, von einer Wachshülle geschützt) werden
bebrütet, also von der Königin gewärmt, und so schlüpfen – sogar, wenn es noch Bodenfrost gibt – bereits nach etwa drei Wochen ihre Töchter, die ersten Arbeiterinnen des Hummelvolks. Die Arbeiterinnen werden selbst nie eigene Töchter haben und ihre gesamte Arbeitskraft während ihrer kurzen Lebenszeit, ca. 3-4 Wochen, ganz in den Dienst der Kolonie stellen.

Die Königin legt jetzt nur noch Eier und die Arbeiterinnen übernehmen sämtliche Aufgaben. Sie versorgen die Brut, halten das Nest sauber, warm und gut belüftet, verteidigen es gegen Eindringlinge und sammeln Futter (Pollen und Nektar), das sie im Nest an die Brut verfüttern und einlagern. Der Pollen liefert unter anderem notwendiges Eiweiß, Nektar den Zucker.

Nektar dient nicht nur als Futter, sondern dient der Kolonie über die ganze Zeit ihrer Entwicklung als Energiequelle. Hummeln müssen ihre Brut für deren optimale Entwicklung stets sehr warmhalten (um die dreißig Grad!). Dafür benötigen sie Nektar als „Brennstoff“. Sie brauchen den Zucker aus Nektar auch, um genug Energie für die Nahrungssuche zu haben – Hummeln suchen Blüten bis zu einem Kilometer von ihrem Nest entfernt auf. An kühlen Tagen können sich Hummeln vor den Flügen „aufheizen“ – dadurch können sie auch zu Jahreszeiten und in Regionen unterwegs sein, die für Honigbienen viel zu kalt sind.

Da Hummeln an ihre Nester gebunden sind (hier ziehen sie ja die Brut auf), ist ihr Flugradius begrenzt. Sie müssen daher von März bis Oktober in einem Radius von fünfhundert bis tausend Metern um ihr Nest herum ein ausreichendes und durchgehendes Angebot an Blüten finden, um ihre Kolonie – zwischen vierzig und vierhundert Tieren – mit Nahrung und Wärme zu versorgen.

Das Hummelvolk wächst so im Laufe eines Sommers von wenigen Tieren zu, je nach Art, mehreren hundert Tieren heran. Erst wenn ein Volk eine gewisse Menge an Nektar und Pollen eingetragen hat und so zu einer guten Größe herangewachsen ist, kann es Nachwuchs produzieren: Die Königin legt nun Eier, aus denen keine Arbeiterinnen, sondern männliche Hummeln (Drohnen) und junge Königinnen schlüpfen. Diese verlassen bald darauf das Nest und verpaaren sich mit Drohnen und Jung-Königinnen aus anderen Nestern.

Mit der Produktion von Drohnen und Jung-Königinnnen endet ein erfolgreiches Jahr für das Hummelvolk. Die alte Königin, die Drohnen und die verbliebenen Arbeiterinnen sterben im Herbst; nur die jungen Königinnen überleben. Sie suchen sich nun einen guten Platz, um zu überwintern – in der Erde oder in dichtem Pflanzenmaterial.

Das neue Hummeljahr beginnt, wenn nach dem Winter die ersten Frühblüher Nektar und Pollen liefern und die Jung-Königinnen aus der Erde kommen, um ihre eigene Kolonie zu gründen.

Hummeln als Bestäuber

Wie alle Wildbienen ernähren sich Hummeln rein vegan, von Pollen und Nektar – den sie von Blütenpflanzen sammeln. Sie sammeln an einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenarten und übernehmen so eine wichtige Rolle in der Bestäubung von Pflanzen. Viele Pflanzenarten werden von nur einer auf sie spezialisierten Wildbienenart bestäubt. Stirbt diese Wildbienenart aus, stirbt auch die Pflanzenart aus und umgekehrt. Viele Hummelarten haben eine elementare Bedeutung für das Ökosystem, in dem sie vorkommen, da sie großen Einfluss auf die Artenvielfalt ihrer Lebensgemeinschaft ausüben.

Hummeln sind nicht nur für viele Wildpflanzen, sondern auch in der Landwirtschaft von besonderer Bedeutung für die Bestäubung – so spielen sie z.B. bei der Produktion von Tomaten in Gewächshäusern eine wichtige Rolle.

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Nahaufnahme eines kleinen Schmetterlings, der auf einer größeren lila Blüte sitzt.

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